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Studium

Passt ein Studium zu mir?

Wir haben ehemalige Auszubildende an unserer Fachschule gefragt, wie sie die Seminargruppen im Oberkurs erlebt haben und wie es mit dem Studium für sie weiterging. Danke fürs Mitmachen!

„Als Lehrerin profitiere ich tagtäglich von meiner Ausbildung“

Barbara Koppenhöfer ist inzwischen Konrektorin an einer Grundschule.

In meiner Erzieherausbildung in Herbrechtingen wurde mir ein grundlegendes Verständnis und Hintergrundwissen für die kindliche Entwicklung gelegt. Auf die didaktische Basis, die ich dort gelernt habe, konnte ich in meinem Studium an der PH Weingarten wunderbar aufbauen. In den Bereichen Entwicklungs­psychologie, Pädagogik, Praxis- und Methodenlehre brachte ich ein Grundwissen mit, so dass ich im Vergleich zu meinen Kommilitonen vertiefter studieren konnten. Dafür bin ich heute noch dankbar.
Zurzeit arbeite ich als Konrektorin an der Ludwig-
Uhland-Schule in Langenau. Dies ist eine vierzügige Grundschule mit zwei Schulstandorten und einem Einzugsgebiet mit Kindern aus acht verschiedenen Kindertageseinrichtungen. Der Umgang mit den Kindern und den Kolleginnen bereitet mir Freude. Als besondere Herausforderung empfinde ich immer wieder, alle mit ihren Gaben wertzuschätzen und so einzusetzen, dass eine gute und effektive Zusammenarbeit gelingt.
Als Lehrerin habe ich laut Bildungsplan nicht nur einen Bildungsauftrag, sondern auch einen Erziehungsauftrag. Deshalb profitiere ich tagtäglich von meiner Erzieherausbildung, besonders im Umgang mit schwierigen Schülerinnen und Schülern oder auch in der Kooperation und Zusammenarbeit mit den Kindergärten. Dadurch, dass ich auch immer zugleich eine Klassenleitung habe, hilft mir meine Ausbildung unter anderem auch im musischen Bereich. Als Klassenlehrerin sollte man möglichst viele Fächer in seiner Klasse unterrichten können. Man studiert an einer Pädagogischen Hochschule in der Regel nur drei Fächer. So fällt es mir dank meiner Erzieherinnenausbildung nicht schwer, neben meinen studierten Fächern noch zum Beispiel Musik, Kunst und Werken zu unterrichten.
Eine noch viel stärkere Verankerung findet meine Ausbildung an der Evangelischen Fachschule im Schulgesetz §1, Absatz 2: "(...)  Über die Vermittlung von Wissen, Fähigkeiten und Fertigkeiten hinaus ist die Schule insbesondere gehalten, die Schüler in Verantwortung vor Gott, im Geiste christlicher Nächstenliebe, zur Menschlichkeit und Friedensliebe, in der Liebe zu Volk und Heimat, zur Achtung der Würde und der Überzeugung anderer, zu Leistungswillen und Eigenverantwortung sowie zu sozialer Bewährung zu erziehen und in der Entfaltung ihrer Persönlichkeit und Begabung zu fördern, (...)“

Während meines Studiums wurde ich nur ein Semester lang mit einer Veranstaltung auf diesen Paragrafen vorbereitet. Jedoch wurde in meiner gesamten Erzieherinnenausbildung immer wieder der Fokus auf diese „Verantwortung vor Gott“ und „im Sinne christlicher Nächstenliebe“ gerichtet.

Darüber hinaus, hat mich diese Ausbildung in ein Nachdenken versetzt, das mich veranlasste, an der Pädagogischen Hochschule unter anderem das Fach Evangelische Theologie in einem ökumenischen Studiengang zu studieren.
Heutigen Berufsanfängern würde ich empfehlen: Lassen Sie sich auf dieser oben erwähnten breiten Basis ausbilden, auf der Sie ein Leben lang aufbauen können. Denn auf einer breiten, fundierten Basis kann man gut stehen – unabhängig, in welche Richtung der persönliche Lebensweg sich weiterentwickelt. Gehen Sie Ihren inneren Fragen nach, denn dort liegt Ihre Begabung. Diese zu entdecken schafft innere Zufriedenheit. Bleiben Sie neugierig und offen für Dinge, die Sie ansprechen, denn gerade dadurch eröffnen sich neue Möglichkeiten.
Durch meine Neugier bin ich unter anderem zu den Perlen des Glaubens – einem religionsdidaktischen Material – gekommen. Im vergangenen Jahr durfte ich wieder eine Einführungsveranstaltung dazu in der Evangelischen Fachschule für Sozialpädagogik Herbrechtingen halten. Die Perlen haben durch ihre Farbe und Form einen hohen Aufforderungs-Charakter für alle Altersstufen. Sie verankern und verinnerlichen unser persönliches Leben in Verbindung mit Gott und schließen somit für mich sinnig den Kreis zwischen meiner Ausbildung und meinem beruflichen wie persönlichen Alltag.
Barbara Koppenhöfer

"Man lernt immer etwas dazu!"

Helen Müller hat die Seminargruppen im Oberkurs mitgemacht und nach dem Berufspraktikum an der Uni studiert.

Erzieherin war schon immer mein Traumberuf, die Arbeit mit Kindern und deren Familien macht mir einfach Spaß und ich habe das Gefühl, etwas bewirken zu können. Deshalb habe ich 2009 gleich nach dem Realschulabschluss mit der Ausbildung begonnen. Für die  Evangelische Fachschule habe ich mich entschieden, weil sie einen guten Ruf hat und ich beim Tag der offenen Tür einen positiven Eindruck bekommen habe. Wichtig war mir auch, dass ich während der Ausbildung die Fachhochschulreife machen kann, obwohl ich zu diesem Zeitpunkt noch nicht genau wusste, was ich damit anfangen möchte. Als dann über die Seminargruppen im Oberkurs informiert wurde, war mir klar: „Das mache ich!“ Ich bekam Lust zu studieren, wollte aber auf keinen Fall im integrierten Studienmodell in Ludwigsburg studieren, sondern von zu Hause ausziehen und an einer großen Uni in einer richtigen Studentenstadt studieren.

Zunächst habe ich mein Berufspraktikum in Vollzeit absolviert und mich dann bei über zehn Hochschulen in ganz Deutschland für ein Bachelor-Studium beworben. Überall habe ich (auch aufgrund meiner Ausbildung) eine Zusage erhalten, aber nur zwei Universitäten haben mir eine Anrechnung meiner Erzieherausbildung zugesagt: Hildesheim (mit Einstufungstest) und Gießen. In Gießen habe ich dann nach nur vier Semestern den Bachelor-Abschluss „Bildung und Förderung in der Kindheit“ gemacht. Es war am Anfang nicht so leicht, sich auf dem riesigen Campus zurechtzufinden, und auch die versprochene Bestätigung der Anrechnung hat mich einige Nerven gekostet, aber inhaltlich war das Studium gut zu schaffen. Sehr hilfreich fand ich meine Praxiserfahrung aus der Ausbildung und dass wir in der Fachschule gelernt haben, wie man wissenschaftlich arbeitet. Nebenher habe ich als voll ausgebildete Erzieherin gearbeitet und Geld verdient, das hat super geklappt.

Die Ausbildung an der Fachschule und die Erfahrungen in der Praxis sind eine super Grundlage für ein Studium. Ich kann das nur jedem empfehlen. Auch wenn man in der Schule keine Einser-Noten hatte, ist das Studium gut zu schaffen. Da braucht man wirklich keine Angst zu haben!

Ich hatte große Lust weiter zu studieren. Man lernt immer etwas dazu! Bei den Masterstudiengängen gibt es allerdings keine so große Auswahl mehr, vor allem nicht im Bereich Frühe Bildung. An der Universität Köln, die genau meine gewünschte Fächerkombination anbietet, habe ich leider keinen Studienplatz bekommen, aber an der Universität Landau hat es geklappt, und zwar mit dem Hauptfach „Erziehungswissenschaften“ kombiniert mit „Pädagogik der frühen Kindheit“ als Nebenfach und „Interkulturelle Bildung“ als Wahlpflichtfach – in diesen beiden Themengebieten wollte ich unbedingt weiterstudieren. Ich komme jetzt ins dritte Mastersemester. Während ich im Bachelorstudium noch die Arbeit in einer leitenden Funktion im Kitabereich angestrebt habe, interessiere ich mich jetzt mehr für die Erziehungsberatung und die Zusammenarbeit mit Eltern.

Helen Müller

"Dank dieser Ausbildung verbringe ich heute sehr gerne viel Zeit mit meinem Beruf"

Josephine Grieb nutzte das Studienmodell, um bereits während der Erzieherausbildung einen Teil des Bachelor-Studiums zu absolvieren.

Wir verbringen sehr viel Zeit in unserem Leben mit unserem Beruf. Aus diesem Grund habe ich mir meine Berufswahl nicht einfach gemacht. Nach meinem Abitur habe ich zunächst auf Lehramt studiert, jedoch nie so richtig Begeisterung für dieses Studium entwickeln können. In mir blieben oft Fragen unbeantwortet, die die kindliche Entwicklung betrafen, und so entschied ich, einen Schritt zurückzugehen und ein Berufsfeld zu wählen, das sich genau mit diesen Fragen beschäftigt.

Als ich also die Ausbildung zur Erzieherin an der Evangelischen Fachschule für Sozialpädagogik begonnen habe, hatte ich mich eben erst in meinem bisherigen Studiengang exmatrikuliert und war nun eine Quereinsteigerin, denn ich konnte aufgrund meines Abiturs das erste Jahr der Ausbildung überspringen. Vom ersten Tag der Ausbildung an war ich begeistert von den Lernfeldern, in denen wir ausgebildet wurden, und habe mich daher recht schnell zur Teilnahme an den Seminarkursen im Oberkurs entschieden. Es stellte für mich eine sehr gute Möglichkeit dar, bereits erlernte Inhalte zu vertiefen und auch noch einmal von einem anderen Standpunkt aus zu betrachten. Wir lasen Texte im Original und diskutierten unsere Standpunkte zu verschiedenen Teilbereichen der frühkindlichen Bildung und Erziehung. Die Seminarkurse waren für mich eine sehr gute Möglichkeit zu prüfen: Möchte ich meine Ausbildung durch ein Studium ergänzen?

Ich entschied mich für 'Ja' und ging erneut an die Hochschule. Zunächst parallel zum Berufspraktikum und dann begleitend zu meinem regulären beruflichen Alltag. Ich habe den Studiengang "Frühkindliche Bildung Erziehung" an der pädagogischen Hochschule in Ludwigsburg gewählt und dort vor einem Jahr meinen Bachelor erhalten. Zum Ende meines Studiums hin habe ich die Leitung eines Kinderhauses übernommen.

Auf die Frage, welchen hilfreichen Tipp ich einer heutigen Schülerin geben würde, möchte ich antworten: Nutze die Zeit der Ausbildung und erwäge alle Möglichkeiten der Weiterbildung. Probiere dich aus und gebe dich nicht vorschnell mit etwas zufrieden. Unser Arbeitsfeld erwartet dich mit vielen Herausforderungen, wenn man sich gut gerüstet fühlt, sind es Chancen!

Natürlich profitiere ich in dieser Position sehr von den Studieninhalten, die meine Ausbildung vertieft haben. Im Alltag denke ich auch noch sehr oft an meine Ausbildung an der Fachschule zurück und bin sehr dankbar, in dieser Zeit eine so wertvolle Grundlage erhalten zu haben - nicht nur in Bezug auf das Wissen, sondern auch in Bezug auf meine berufliche Haltung. Dank dieser Ausbildung verbringe ich heute sehr gerne viel Zeit mit meinem Beruf.

Josephine Grieb